Samstag, 20. Januar 2018

Das unbekannte Rathaus

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  • vom:  Mittwoch, 04. Oktober 2017
Fassade des Rathauses von 1744 Fassade des Rathauses von 1744 Foto: © Historischer Verein Schwerin

Schwerin in 60 Minuten? Und dabei die Geschichte kennenlernen? Die Ausstellung „Schwerin – Wie es wurde, was es ist“ im Brunnenhof macht’s möglich. Anschauliche Modelle und Infotafeln mit vielen Fotos geben einen knappen, aber umfassenden Überblick über die Entwicklung Schwerins von der Gründung bis heute.

Aufmerksame Besucher der Ausstellung stoßen hinten in der Ecke auf ein kleines Modell eines bedeutenden Gebäudes mit hohen Uhrenturm: Das frühere Rathaus von Schwerin, das selbst in Schwerin kaum jemand kennt, das „unbekannte“ Rathaus. Das Schweriner Rathaus hat eine lange, wechselvolle Geschichte, und das Modell spiegelt nur einen kurzen Abschnitt daraus wider.

Vermutlich bereits im Mittelalter entstand in Schwerin ein zentrales Haus für den Rat, erstmals schriftlich erwähnt wird ein solches im Jahr 1338. Über dessen Aussehen ist allerdings nichts bekannt. Heute zeugen noch einige Wände im Keller des jetzigen Gebäudes und der Durchgang vom Markt zum Schlachtermarkt vom mittelalterlichen Bauwerk. Vermutlich besaß das Schweriner Rathaus einen Laubengang oder sogar eine offene Halle im Erdgeschoss. Die Reste der Arkaden finden sich heute an der Außenwand des Durchgangs zum Schlachtermarkt.

Dieses mittelalterliche Rathaus stand bis 1531, als es bei einem Stadtbrand stark beschädigt und anschließend mit einem Uhrenturm wieder aufgebaut wurde. Doch schon 27 Jahre später, 1558, wütete erneut eine Feuersbrunst und das eben erbaute Rathaus fiel diesmal fast vollständig den Flammen zum Opfer.

Neun Jahre dauerte es, bis die arg gebeutelte Stadt mit Hilfe Herzog Johann Albrecht I. ein neues Rathaus fertigstellen konnte. Von diesem „unbekannten“ Rathaus ist nun eine Abbildung überliefert, die dem Modell als Grundlage diente, auch wenn nicht das ganze Gebäude darauf zu sehen ist.

1651 ging es nicht einmal 90 Jahre nach dem Bau schon wieder in Flammen auf. Die verbliebenen Möglichkeiten ließen nur den Aufbau eines schlichten, mit zwei Giebeln versehenen Fachwerkgebäudes zu. Allerdings gefiel dieses Rathaus offenbar nicht, denn es wurde abschätzig „Scheune“ genannt. So nutzte man 1743/44 die Gelegenheit, mit Zuschüssen aus einer Lotterie das Rathaus zu verschönern. Es erhielt an der Marktseite eine einheitliche Fassade mit einem barocken Vorbau mit Mansarddach, in dem sich der Eingang befand. Nach hinten blieben die zwei Giebel des Vorgängerbaus erhalten.

Im Vorfeld der Rückkehr des Hofes aus Ludwigslust nach Schwerin unterzog man auch das Rathaus 1834 einer Auffrischung: Georg Adolph Demmler, der mit seinen Gebäuden bis heute maßgeblich das Bild der Stadt bestimmt, versah es mit der heutigen Fassade im Tudorstil und richtete dahinter zwei Säle im Erd- und Obergeschoss ein. Mit dem „Säulengebäude“ an der Nordseite und dem Rathaus hatte der Marktplatz nun auch eine raumbildende Gestaltung gefunden, die bis heute erhalten ist.

Die letzten Umbauten am Rathaus erfolgten dann in der Neuzeit, 1985 wurden an der Rückseite der nördliche Giebel und der Hof beseitigt und an deren Stelle ein Neubau an das Rathaus angeschlossen.

Norbert Credé

Ausstellung Stadtgeschichte

im Brunnenhof
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